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27.01.2012 | Motorrad-Sportstifel.

Vergleichstest: Motorrad-Sportstiefel bis 300 Euro

Auf der Rennstrecke gehören Motorradstiefel mit hohem Schaft und Zehenschleifer zur Pflichtausstattung. PS testete elf Sportstiefel bis 300 Euro auf ihre Qualitäten und stellte fest, dass der Preis tatsächlich eine Rolle spielt.
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Racingstiefel Rennstrecke
Aktuellen Rennschlappen gehören nicht nur auf die Felge sonder auch an den Fuß.
Lesen Sie in diesem Artikel:
1
Test: Sportstiefel 2011
2
Alpinestars S-MX Plus
3
PS-Testsieger: Arlen Ness Pro Shift
4
Berik GP-X Pro
5
Dainese Torque Pro Out
6
Firefox Racing
7
FLM GP
8
Gaerne G-RW
9
Held Thunder Sport
10
Sidi ST Racing Boot
11
Vanucci RV3 Sympatex
12
XPD XP7 WRS
13
Fazit
14
Kaufberatung Stiefel

bikerbeine leben gefährlich. Laut Statistik werden bei 78 Prozent aller Zweiradunfälle die unteren Extremitäten in Mitleidenschaft gezogen. Umso wichtiger ist es, als Sportfahrer einen ordentlichen Stiefel am Fuß zu haben. Er sollte den Fuß vor Verletzungen schützen, dazu erschwinglich und bequem sein. Wie gut erfüllen die beliebtesten Marken diese Ansprüche in der Realität? Wir wollten es wissen und testeten elf verschiedene Modelle bis 300 Euro auf aktuellen Superbikes auf der Rennstrecke.

Die Modelle von Berik und FLM sind neu auf dem Markt und standen zum Testzeitpunkt nur in Größe 42 zur Verfügung. Die beiden Tester bewerteten die Stiefel in folgenden Kriterien: Praxis Fahren, Praxis Gehen, Sicherheit, Handhabung und Verarbeitung.

Mehr über ...
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Im Bereich Fahren beurteilten sie den Halt der Sohle auf der Raste, die Bewegungsfreiheit, die Bequemlichkeit und einige weitere praxisrelevante Aspekte. Beispielsweise passt ein Schuh mit dickem Vorderfuß schlecht unter den Schalthebel, eine zu harte Sohle verwässert das Gefühl für die Fußbremse. Erfreulicherweise gab es in den letzten beiden Bereichen keine Probleme. Allerdings störte beim Held ein Plastikgelenk, das sich am Fersenschutz der Rastenanlage einhakt. Ansonsten resultieren die Abzüge aus den Bereichen Bewegungsfreiheit und Bequemlichkeit.

Auch beim Gehen war in erster Linie die Bequemlichkeit für die Punktevergabe ausschlaggebend. Diese Kategorie ist bei einem Sportstiefel weniger relevant als bei einem Tourenmodell und wurde entsprechend gering gewichtet. Zum Quietschen oder Knarren neigten im Praxistest nur vereinzelte Modelle, allerdings treten diese Probleme erfahrungsgemäß auch erst nach mehreren Wochen Tragezeit auf.

Wichtigstes Kriterium eines guten Sportstiefels ist seine Sicherheit. Diese Kategorie erhält deshalb mit 15 Punkten auch die stärkste Gewichtung. Dr. Christoph Scholl, seit über zwei Jahrzehnten international als Rennarzt tätig, erläutert, worauf es ankommt: "Am häufigsten sind Unterschenkelverletzungen und so genannte Pronationsverletzungen im Sprunggelenksbereich. Dabei reißen durch Umbiegen des Fußes nach innen die Bänder am Knochen aus und müssen operiert werden. Ein verstärkter Außenfußbereich kann dieses Einknicken verhindern und ist deshalb bei einem Sportstiefel besonders wichtig." Ferse und Knöchel sollten ebenfalls verstärkt sein, um Verletzungen durch die Fußraste zu vermeiden.
BMW S 1000 RR Schräglage
Die elf Testkandidaten mussten sich einem Härtetest auf der Rennstrecke unterziehen.

Auch die Schafthöhe spielt eine Rolle: Um Sprunggelenksverletzungen zu vermeiden, sollte der Stiefelschaft etwa 30 cm hoch sein. Die Testkandidaten liegen mit Werten zwischen 28 cm (Held) und 32 cm (SIDI) hier weitgehend im grünen Bereich und schützen das Pilotenbein zuverlässig.

Da Motorradfahrer nach einem Sturz in der Regel auf der Außenseite der Stiefel rutschen, sollten die Reißverschlüsse auf der Innenseite angebracht sein. Hinten angebrachte Reißverschlüsse wie beim Modell von Dainese sind zwar praktisch, aber ebenfalls nicht ganz sicher: Sie können nach einem Sturz aufgehen.
Ein weiteres Sicherheitskriterium betrifft das Stiefelmaterial: Synthetisches Lorica ist aufgrund seiner Robustheit und seiner wasserabweisenden Eigenschaften sehr beliebt. Die Mikrofaser schleift sich aber deutlich schneller durch als Leder.

Insgesamt liegt das Sicherheitsniveau der Testkandidaten erfreulich hoch: Fersen und Knöchel sind bei fast allen Modellen durch dicke Kunststoffapplikationen zuverlässig geschützt. Allerdings besteht bei Gelenken am Innenknöchel wie beim Modell von Held die Gefahr, dass sich die Stiefel beim Sturz an der Raste einhaken. Zehenspitzen und Schienbein sind bei allen getesteten Stiefeln gut geschützt.

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Zwei grundsätzlich unterschiedliche Supersportler im Test

Bei der Handhabung unterscheiden sich die Testkandidaten stark. Zu diesem Kriterium gehören das An- und Ausziehen sowie das Wechseln der Schleifer. Vorbildlich gibt sich hier das Modell von XPD: den Stiefeln liegt bei der Lieferung ein Innensechskantschlüssel für die Schrauben am Zehenschleifer bei. Die Schleifer von Alpinestars sind dagegen nur gesteckt und lassen sich nur mit großem Kraftaufwand entfernen und mit noch größerem Kraftaufwand wieder anbringen. Beim Modell von SIDI stört der zwiebelähnliche Einstieg. Mehrere Schichten steifes, scharfkantiges Plastik und Lorica müssen übereinander gelegt werden, was im Test zu wüsten Flüchen und verkratzten Handrücken führte.

Bei der Verarbeitung sind ebenfalls deutliche Unterschiede sichtbar. Besonders edel kommen die Modelle von Dainese und Arlen Ness daher. Ihre fein gearbeiteten Nähte, die sauberen Klebestellen und die hochwertige Anmutung hinterlassen einen sehr guten Eindruck.

Auf der Kehrseite der Medaille finden sich die Modelle von Gaerne und Firefox. Am Gaerne stören vor allem die billig wirkenden Schrauben, am Firefox die kantigen, schlecht gearbeiteten Plastikteile und die billige Sohle.

Alles in allem entsprachen die Testergebnissen den Erwartungen an einen Sportstiefel: Das Sicherheitsniveau ist hoch, beim Fahren gibt es wenig Probleme, beim Gehen sind die Stiefel bisweilen ziemlich unbequem. Das Testergebnis legt nahe, dass der Preis eines Stiefels eine Rolle spielt: Mit dem Arlen Ness und dem Dainese liegen zwei teure Stiefel vorn, während der günstige Firefox ganz hinten landet. Wer hauptsächlich auf der Rennstrecke fährt, sollte deshalb mindestens 300 Euro in die Stiefel investieren.
Quelle:PS.Das Motorrad Magazin.

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